Landesgruppe Sachsen

Dipl.-Ing. Hans-Georg Knorr
Kügelgenweg 38
01108 Dresden-Weixdorf
hg.k99@gmx.de

Veranstaltungen 2017

Landesgruppenversammlung auf Schloss Rochsburg
Sonnabend, den 23.09.2017

27 Teilnehmer an der Exkursion trafen sich um 9 Uhr vor Schloss Rochsburg.
Unser Landesgruppenvorsitzender Herr Wippert begrüßte die Teilnehmer und führte uns in den Wohnturm, in dem wir unsere Landesgruppenversammlung abhielten. Diesmal stand die Vorstandswahl an und unser langjähriger Vorsitzender Herr Wippert wurde verabschiedet.
Bevor unsere Landesgruppenversammlung begann, begrüßte uns Frau Hillig, Geschäftsführerin der Mittelsächsischen Kultur gGmbH, die sich in Trägerschaft des Landkreises befindet und die für das Schloss zuständig ist. Schloss Rochsburg wird bisher erfolgreich geführt und hatte 2016 20.000 Besucher zu verzeichnen. Verschiedene Veranstaltungen, wie der gerade stattfindende Landmarkt, tragen zum Erfolg des Schlosses bei. Schloss Rochsburg wird ab 2018 voraussichtlich Mitglied der DBV werden.
Bernd Wippert inmitten seiner Vorstandskollegen: Dr. Steffen Delang, Daniel Ehrig, Hans-Georg Knorr, Tom Lauerwald und Gudrun Herzog
Herr Wippert begrüßte die Mitglieder der LG und als Gäste Herrn und Frau Wagner von der Geschäftsstelle der DBV auf der Marksburg.
Die diesjährige Landesgruppenversammlung musste, wie alle drei Jahre, einen neuen Vorstand wählen. Da Herr Wippert nicht mehr kandidierte, wurde er heute feierlich verabschiedet.
Bernd Wippert, Foto: G. Wagner
Zuerst bedankte sich Herr Lauerwald im Namen des Vorstandes und der LG für die hervorragende, 27 Jahre dauernde Arbeit als Vorsitzender unserer LG. Herr Wagner schloss sich an, lobte die ausgezeichnete Zusammenarbeit und bedankte sich auch bei Frau Wippert für ihre unterstützende Arbeit. Herr Eberlein vom Förderverein Schloss Schlettau und Herr Baumbach als Vertreter der Mitglieder bedankten sich ebenfalls. Nach diesen anrührenden Minuten wünschen wir Herrn und Frau Wippert alles Gute für ihren neuen Lebensabschnitt in Thüringen.

Bernd Wippert und Gerhard Wagner, Foto: S. Wagner
Bei der folgenden Neuwahl des LG-Vorstandes wurden gewählt: Hans-Georg Knorr (Vorsitzender), Tom Lauerwald (Stellv.), Daniel Ehrig (Kasse), Gudrun Herzog (Schriftführerin) und Dr. Steffen Delang (wiss. Beratung).
Herr Wagner beglückwünschte den neu gewählten Vorstand; dann lobte er die LG wegen eigener Publikationen, die es in anderen LG kaum gibt, und erinnerte an Mitgliederwerbung für den DBV. Dann berichtete er kurz über die Marksburg und lud alle ein, mal wieder „unsere“ Burg zu besuchen.
Der neue Vorstand der LG Sachsen, Foto: G. Wagner
Danach besichtigten wir unter kundiger Führung von Herrn Karsch Teile des Schlosses.
Die Rochsburg wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die Besitzer wechselten häufig, unter anderen waren es neben den Wettinern die Herren von Schleinitz und seit dem 16. Jahrhundert die von Schönburg, die die Rochsburg zu einem Renaissanceschloss ausbauten und bis 1945 hier saßen.
Schloss Rochsburg, Foto: Gerhard Wachholz, 2012
Wir begannen den Rundgang in der ehemaligen Kemenate, gingen dann durch die Räume des Museums, die im 16. Jahrhundert erbaut und im 19. Jahrhundert zum Teil neugotisch gestaltet wurden und die alle wunderbare hölzerne Decken aufwiesen. Der Festsaal beeindruckte durch die beiden prächtigen Portale mit dem Schönburgschen Wappen, die 2016 restauriert wurden.
Im Dachgeschoss waren schmucklose Gästeräume, die im 20. Jahrhundert als Jugendherberge genutzt wurden. 
Aufgestiegen waren wir im Wendelstein, der im Innern des Westflügels liegt und im 15. Jahrhundert unter Arnold von Westfalen erbaut wurde, der von denen von Schleinitz mit dem Bau der Vierflügelanlage betraut wurde. Damals wurde auch der Bergfried und Teile der mittelalterlichen Burg in den Schlossbau einbezogen. Wir betraten den Bergfried durch eine kleine Tür im 1. Stock, die auf einen Durchbruch von 1620 zurückgeht. Man tritt auf ein Podest von dem man genau sieht, dass der untere Teil des Bergfrieds aus Bruchsteinen besteht und später durch Ziegelbau erhöht wurde. Wer die Wendeltreppe des Bergfrieds erstiegen hatte, konnte den Blick auf die beiden Höfe des Schlosses, die Mulde und die liebliche Umgebung genießen.
Zuletzt besuchten wir die Schlosskapelle St. Anna, die ebenfalls unter Arnold von Westfalen zwischen Bergfried und Kemenate angelegt wurde. Das schöne Netzrippengewölbe und der Sandsteinaltar von Andreas Lorentz aus Freiberg, entstanden im 16. Jahrhundert. Im Hof warfen wir noch einen Blick auf die schönen Fassaden mit den weiß-roten Renaissancegiebeln und verließen Schloss Rochsburg durch den vorgelagerten Wirtschaftshof, auf dem heute ein Landmarkt stattfand. Auf einem kleinen, bergab führenden Weg erreichten wir gegen 12:45 Uhr das Gasthaus „Muldenschlößchen“, in dem wir uns mit gutem Essen und Bier stärkten.
13:45 Uhr brachen wir zur nahegelegenen Dorfkirche auf, die auf romanische Ursprünge zurückgeht und deren wunderschönes Eingangsportal aus Rochlitzer Porphyr sehr sehenswert ist.
Herr Dr. Delang erläuterte uns die Restaurierung des Inneren der Kirche.
Im Innern dominiert ein Kenotaph der Familie von Schönburg, der aus dem 16. Jahrhundert stammt.
Der Sockel aus Kunststein und das Bronzerelief wurden 1895 erneuert. Die kunstvolle Holzdecke mit barocken Elementen wurde ebenfalls 1895 neu gestaltet. Auch der Altar stammt aus der Barockzeit.
Wir liefen zurück zum Parkplatz und fuhren zu unserem nächsten Ziel, dem nahe gelegenen Wechselburg. Heute wollten wir uns nicht der Stiftskirche widmen, sondern das große Barockschloss besichtigen. 15:30 Uhr erwartete uns Herr Überschär, der uns durch das Schloss führte, das nicht öffentlich zugänglich ist.
Wechselburg hieß ursprünglich Zschillen. Hier gründete Graf Dedo von Groitzsch Mitte des 12. Jahrhunderts ein Augustiner Chorherrenstift. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster dem Deutschen Ritterorden übertragen. Nach der Reformation wurde die Komturei Zschillen aufgehoben und durch Tausch gegen anderen Besitz gelangten die von Schönburgs in den Besitz des ehemaligen Klosters.
Dieser Tausch erklärt den Ortsnamen Wechselburg. Im 18. Jahrhundert ließen die von Schönburgs die repräsentative Dreiflügel Barockanlage auf den Grundmauern des Klosters errichten. Das Schloss lehnt sich an die romanische Stiftskirche an, die als evangelische Schlosskirche erhalten blieb. 1945 wurde die Kirche dem Bistum Dresden-Meißen übergeben und als katholisches Gotteshaus genutzt. Seit 1993 leben Benediktinermönche hier und betreuen die katholische Gemeinde Wechselburgs. Sie leben im „Kleinen Schloss“, das sich aus Wirtschaftsgebäuden und dem Inneren Torhaus zusammensetzt und sich im hinteren Schlosshof befindet.
Die Familie von Schönburg lebte bis 1945 in Wechselburg. Nach der Enteignung entstand im Schloss eine Tuberkulose Heilstätte, die bis in die 60iger Jahre bestand. In dieser Zeit wurde im Innenhof  ein Sozialtrakt angebaut, der auf dem ehemaligen Kreuzgang steht. Bis 2005 beherbergte das Schloss eine Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die nach Mittweida verlegt wurde. Seitdem steht das Schloss leer. Der Landkreis Mittelsachsen möchte die Anlage verkaufen, doch bisher hat sich weder ein Interessent gefunden, noch gibt es ein sinnvolles Nutzungskonzept.
Die Dreiflügelanlage hat zwei Wohngeschosse und zwei Mansarden Geschosse, in denen sich zu von Schönburgs Zeiten Gäste-und Dienstbotenräume befanden. Darüber befindet sich noch der Dachboden. Wir gingen mit Herrn Überschär durch alle Etagen und kletterten bis zum Dachboden.
Die leeren Räume, vereinzelte Möbelstücke, der von Marderkot bedeckte Fußboden verbreiteten eine düstere, sogar beklemmende Atmosphäre. Im Westflügel  befindet sich ein Festsaal mit Bühne, der als Speiseraum genutzt wurde. Auch hier, wie überall, Verfall.
Am Ende des Rundganges stiegen wir in das Kellergewölbe des Südflügels hinab und hier erwartete uns ein Highlight. Der riesige Kellerraum wurde durch Säulen gestützt, die vom Ende des 12. Jahrhunderts stammen. An der Decke waren vereinzelt noch Spuren der Verschalung zu sehen. An einer der Säulen war die Jahreszahl 1621 eingekerbt, daneben ein Kreuz des Ritterordens. Wir waren sehr beeindruckt. Man kann nur hoffen, dass sich bald ein Investor findet, um den Verfall dieses Hauses aufzuhalten.
Nach der Verabschiedung von Herrn Überschär löste sich unsere Gruppe auf. Wir warfen noch einen Blick in die wunderschöne Stiftskirche mit ihrem berühmten Lettner und sahen uns die moderne Nutzung des Torhauses von außen an. Hier waren Gästezimmer geschaffen worden.
Gegen 17:45 Uhr starteten wir auf den Heimweg und ließen den ereignisreichen Tag Revue passieren.

Gudrun Herzog