Herbstexkursion nach Vorpommern
27.-29. September 2019

Freitag, den 27. September 2019
Schwedisch-Pommern
Unsere Herbstfahrt führt uns in diesem Jahr mit 50 Teilnehmern nach Vorpommern, also in den westlich der Oder gelegenen und bei Deutschland verbliebenen Teil der ehemaligen preußischen Provinz Pommern
.
Los geht es in unserem luxuriösen schneeweißen Reisebus ab dem Hamburger ZOB zu einem kurzen Zwischenstopp am Rasthof Fuchsberg, wo wir unsere unsere Mecklenburger Burgenfreunde treffen: Frau Prof. Dr. Sabine Bock und Herrn Thomas Helms, die maßgeblich an der Gestaltung der Reiseroute und der Auswahl der Objekte beteiligt waren und in einem schön gestalteten Exkursionsfüherer für die Mitreisenden zusammengetragen haben. Frau Professor Bock nutzt die verbleibende Reisezeit im Bus für eine kenntnis- und detailreiche Einführung in die Geschichte Vorpommerns, auch Schwedisch Pommern genannt, was die Gesichter der Mitreisenden aufhellen läßt. Ein weiterer Grund zur Freude ist aber auch der Geburtstag unserer Schweriner Burgenfreundin, die wir bei einem Gläschen Sekt hochleben lassen.
Herrenhaus Quitzin
Festes Haus Quitzin, Foto: Detlev Blohm 2019


Bestens gelaunt erreichen wir bei halbwegs gutem Wetter das Jagdschloss Quitzin,  wo wir durch die Eigentümer Burghard Rübcke von Veltheim und Frau Friederike, geb. Freiin von Blomberg empfangen und begrüßt und mit einem Mittagessen verwöhnt werden. Wie die Familie es auf Ihrer Internetseite „erbaut 1607 - gerettet ab 1992“  so kurz und bündig zusammenfasst,  bekommen wir eindrücklich geschildert, was 25 Jahre harter aber liebevoller Aufbauarbeit bedeuten und beim Rundgang durch das frühbarocke Herrenhaus mit Englischem Park und beeindruckender Gutskapelle auch gezeigt.

Gutshaus Zarrentin
Herrenhaus Zarrentin, Foto: Detlev Blohm 2019
Herrenhaus Zarrentin_Herr Lunkenheimer und Dr. Püttmann, Foto: Detlev Blohm 2019Im Gutshaus Zarrentin, heute Landhotel Gut Zarrentin, werden wir von den Eigentümern und Hoteliers Dorlis und Bernhard Lunkenheimer in Empfang genommen und mit ausreichend heißem Kaffee und hausgemachten Kuchen verwöhnt, während der Hausherr uns die Geschichte des Hauses schildert, das er zusammen mit seiner Frau seit 2014 als Landhotel betreibt. Erstmals erwähnt wird das Gut 1320 unter der Regentschaft von Prinz Witzlaw III.,  dem letzen slawischen Fürsten von Rügen. Zwischen 1780-1790 wird der heutige Baukörper im Stil des schwedischen Spätbarock/Frühklassizissmus errichtet. Wahrscheinlich ist Carl Rudolph von Mevius der Erbauer. In den 1990er Jahren wurde das unter Denkmalschutz stehende Herrenhaus saniert und es wurden Gästezimmer und Ferienappartements angeboten. Im Jahre 2012 wurde es erneut saniert und anschließend verkauft.

Herrenhaus Nehringen
Herrenhaus Nehringen, Foto: Detlev Blohm, 2019
Vor dem Gutshaus Nehringen empfängt uns DBV-Mitglied und Eigentümer Alexander von Pachelbel-Gehag. Begleitet wird er von Herrn Klaus Bergemann, der die Führung durch die Patronatskirche übernimmt.
Herrenhaus Nehringen Herr von Pachelbel-Gehag und LG Nord, Foto: Detlev Blohm, 2019
Herrenhaus Nehringen_Patronatskirche, Foto Detlev Blohm, 2019Besonders hervorzuheben ist die Eigenleistung der engagierten Gemeindeglieder zur Rettung Ihres 1984 aufgegebenen Gotteshauses. Das um 1780 errichtete Herrenhaus ist komplett unsaniert, aber gesichert. Die traumhaft gelegene Gutsanlage sucht zusammen mit dem Fangelturm und den Kavaliershäusern nach einer neuen Nutzung. Der Eigentümer ist an einer langfristigen Nutzungsüberlassung auf Pachtbasis interessiert, wobei die Gestaltung des Pachtverhältnisses Verhandlungssache ist und von der Nutzungskonzeption abhängt. Wenn Sie eine gute Nutzungsidee für ein Herrenhaus haben, aber nicht selbst Eigentümer werden wollen, haben Sie hier die Chance, diese umzusetzen. Wir würden es Nehringen und der Familie Pachelbel-Gehag wünschen.
Herrenhaus Nehringen mit LG Nord, Foto: Detlev Blohm 2019
Herrenhaus Nehringen_Burgturm, Foto: Detlev Blohm, 2019
Bei dem gemeinsamen Abendessen im Hotel Trebeltal lassen wir den Tag ausklingen und die schönen Erlebnisse Revue passieren.

Sonnabend, den 28. September 2019
Herrenhäuser

Am Sonnabend sind Herrenhäuser unser Schwerpunkt. Vanselow, reizvoll an der Tollense gelegen, gehörte seit dem 13. Jahrhundert zum Besitz der auf der Burg Osten ansässigen Linie der Familie von Maltzahn. Begrüßt durch den heutigen Eigentümer Jaspar Freiherr von Maltzahn erleben wir ein Schmuckstück mitteldeutscher Aufbauarbeit nach der deutschen Wiedervereinigung. Der Unternehmer, der selbst seinen Teppichproduktionsbetrieb in Westfalen aufgegeben hat, betreibt hier mit seinem ältesten Sohn nun sehr erfolgreich Landwirtschaft und erhält so das Herrenhaus und die Parkanlage.

Herrenhaus Vanselow
Herrenhaus Vanselow, Foto: Detlev Blohm 2019

Herrenhaus Vanselow_Freiherr von Maltzahn, Frau Prof. Bock und Dr. Püttmann, Foto: Detlev Blohm 2019

Herrenhaus Vanselow_Foto: Detlev Blohm 2019

Herrenhaus Schmarsow_Frau Ruiken-Fabich, Foto: Detlev Blohm 2019Das Schlossgebäude Schmarsow wurde im März 2000 von den jetzigen Eigentümern, Andrea Ruiken-Fabich und Dr. Falk Fabich (Mitglieder der Deutschen Burgenvereinigung), erworben. Die denkmalgerechten und umfangreichen Sanierungsarbeiten wurden durch die Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das Landesamt für Denkmalpflege MV und den Landkreis Demmin unterstützt. Nach einer umfangreichen Führung durch das imposante Gemäuer erwartet uns ein herrliches Mittagessen mit Rotkohl und Rouladen, das auch eingefleischte Vegetarier überzeugen kann. Die fleischlose Alternative konnte geschmacklich zwar mithalten, blieb aber größtenteils verschmäht. Armes Gemüse.

Herrenhaus Schmarsow
Herrenhaus Schmarsow, Foto: Detlev Blohm 2019

Herrenhaus Schmarsow_LG Nord Gruppenbild, Foto: Detlev Blohm 2019

Gut gestärkt erreichen wir das bis 1770 im „holländischem Stil“ errichtete aufwändige Herrenhaus Broock, welches zwischen 1840 und 1850 nach Entwürfen des Berliner Architekten Friedrich August Stüler im neogotischen Stil umgebaut wurde. Gleichzeitig entwarf Peter Joseph Lenné für Broock einen englischen Landschaftspark. 2017 erwarb der Architekt Stefan Klinkenberg aus Berlin die Anlage, die er mit großem finanziellen Aufwand in ein Zentrum für kulturelle Veranstaltungen umwandelt. Begrüßt und geführt durch den engagierten Projektleiter, Herrn Christian Schmidt, bekommen wir einen guten Eindruck über das, was Broock in den nächsten Jahren erwartet: sehr viel Arbeit und große Investitionen.  Bei Kaffee und Kuchen erhalten wir einen guten Überblick über die nächsten Schritte. Wir wünschen allen Beteiligten gutes Gelingen, insbesondere viel Kraft und Ausdauer für dieses einzigartige Projekt.
Schloss Broock
Schloss Broock, Foto: Detlev Blohm, 2019

Schloß  Broock_Herr Schmidt mit LG Nord, Foto: Detlev Blohm, 2019

Schloss Broock, Foto: Detlev Blohm, 2019

Schloss Broock, Foto: Detlev Blohm, 2019

Den größten Teil seiner Arbeit hat Herr Jan Kröger, Eigentümer des Gutshauses Wietzow, schon hinter sich. Die Anlage beherbergt heute Gäste in ihren fünf Ferienwohnungen. Der angrenzende prächtige Park bietet auf 125.000 m² ideale Voraussetzung für einen wirklich erholsamen Urlaub.

Herrenhaus Wietzow
Herrenhaus Wietzow, Foto: Detlev Blohm 2019

Herrenhaus Wietzow_ Herr Kröger und LG Nord , Foto: Detlev Blohm 2019


Der sprichwörtlichen Gelassenheit des heutigen Gutsherrn ist es zu verdanken, das diese wunderschöne Parklandschaft in diesem Sackgassendorf mit seinen etwa 80 Einwohnern, vornehmlich viele Künstler, Lebenskünstler und Aussteiger, sich dem Besucher in spürbar entspannter Atmosphäre präsentiert.

Abendliche Peeneschifffahrt
Semmin_Abfahrt Peenefahrt, Foto: Detlev Blohm 2019

Wir hätten gern noch etwas verweilt, aber der Reiseleiter ermahnt zur Weiterfahrt, denn wir haben noch eine weitere Verabredung: eine Dampferfahrt mit Kapitän Ingo Müller auf der Peene mit der ehemaligen Senatsbarkasse FGS "Hamburg", auf der einst königliche Gäste, Präsidenten und Staatsoberhäupter über die Schiffsplanken schritten. Vor Ort müssen wir allerdings kurzfristig auf die „Hansestadt Demmin“ „umschiffen“, also das Transportmittel wechseln. Nicht ganz so spektakulär, aber hier zeigten sich die Burgenfreunde wieder ganz sportlich und flexibel. An Bord essen wir auch zu Abend. Einige unserer seetüchtigsten Mitglieder übernehmen kurzerhand das Ruder und führen das Schiff und seine kostbaren Fracht - die Mitglieder der Deutschen Burgenvereinigung e.V. - wieder in den Heimathafen Demmin. Zurück im Hotel findet der Tag einen fröhlichen Ausklang.

Sonntag, den 29. September 2019
Burgen und Feste Häuser

Am nächsten Morgen hat der nun schon seit Tagen angekündigte Regen eingesetzt und passt ganz furchtbar zu unserem heutigen Themenschwerpunkt: Burgen und feste Häuser, die teilweise nur noch als Ruinen erhalten sind, aber durch ihren morbiden Charme und die wunderschöne Lage bestechen.

Demmin,
eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert, 1631 durch die Schweden zerstört, ging 1881 “Haus Demmin" in das Eigentum der Familie von Rohr über, die es bis zur Enteignung 1945 behielten. Im Jahre 1991 konnte der Familie von Rohr das "Haus Demmin" rückübertragen werden. Doch auch sie konnten den Verfall des Gebäudes kaum aufhalten. Den Rest erledigte ein Brand im Jahre 1998, bei dem das ehemals stattliche Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Haus Demmin
Herrenhaus Demmin, Foto: Detlev Blohm 2019

Festes Haus Demmin_ Frau Prof. Bock und LG Nord, Foto: Detlev Blohm 2019

Die Burganlage Klempenow ist die einzig erhaltene Niederungsburg in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1991 hat der Verein Kultur-Transit-96 e.V. große Teile der Burg saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von Klempenow hat sich vor allem der nördliche Gebäudekomplex erhalten, der aus dem Nordbau und dem Bergfried besteht.
Burg Klempenow
Burg Klempenow, Foto: Detlev Blohm 2019
Im Turm lässt sich noch eine Kemenate mit Kamin finden, die zusammen mit einer gotischen Säule und einem Abortschacht in diesem Erhaltungsstadium eine Seltenheit darstellt. Die Burg lädt heute dank liebevoller Restauration und engagiertem Verein zu einem Besuch ein. Der Blick vom Turm in die eiszeitlichen Urstromtäler von Tollense und Landgraben und ein Besuch des wunderschönen Burggartens sind allemal eine Reise wert.
Burg Klempenow_Kaminzimmer im Turm, Foto: Detlev Blohm 2019
Eine der schönsten und eindrucksvollsten Schlossruinen Norddeutschlands ist die Veste Landskron. Erbaut wurde die Burg in den Jahren 1576 bis 1579 im Stil der Renaissance. Im 19. Jahrhundert war die Burgruine ein beliebter Ausflugsort, die angeblich auch von Caspar David Friedrich als Motiv gewählt wurde. Wissenschaftlich bestätigt ist das nicht. Malerisch war und ist die Anlage allemal.

Veste Landskron
Feste Landskron, Foto: Detlev Blohm 2019

Das historische Gebäudeensemble mit den mächtigen Mauern und den geräumigen Kasematten der Wasserburg Spantekow gilt als älteste und bedeutendste Renaissance Wasser-Veste Norddeutschlands und wurde aufgrund der Verfügung des Bundesamtes für Kultur und Medien (BKM) von Juni 2019 beim Bundeskanzleramt zum Denkmal von nationaler Bedeutung erklärt.  Von 1558 bis 1567 ließen der Großhofmeister Ulrich von Schwerin und seine Frau Anna von Arnim das Hauptgebäude erbauen. Später wurde die Burg zur Festung (Veste). Die Geschichte um Eigentums- und Besitzverhältnisse bleibt über die Jahrhunderte bewegt.

Veste Spantekow
Burg Feste Spantekow, Foto: Detlev Blohm 2019
1999 hat Kaspar Freiherr von Harnier (Mitglied der Deutschen Burgenvereinigung), Enkel des letzten Besitzers zum Zeitpunkt der Bodenreform (Hans Bone von Schwerin), das Burgareal zurück erworben. Mit seiner Frau wohnt er inzwischen im früheren Gärtnerhaus. Der 81-Jährige von Harnier bemüht sich nun seit fast zwei Jahrzehnten um eine Sanierung und eine neue Nutzung. Insbesondere das Land, aber auch der Bund, die Deutsche Burgenvereinigung und Privatleute haben das Vorhaben in den vergangenen Jahren unterstützt. Nach einem vorzüglichen Mittagsimbiss führt uns der Hausherr durch die Wirtschaftsgebäude, die Festungswälle, das Torhaus und die Kasematten. Wir können nur ahnen, wieviel Arbeit hier bereits geleistet wurde.

Burg_Festung Spantekow_Ehepaar von Harnier, Foto: Detlev Blohm 2019

Burg_Festung Spantekow_Mittagspause, Foto: Detlev Blohm 2019

Burg_Festung Spantekow, Foto: Detlev Blohm 2019

Das 1575 erbaute Wasserschloss in Quilow, das zu DDR-Zeiten als Wohnhaus, LPG-Kantine und Gemeindebüro diente, drohte nach der Wende und dem Leerzug zu verfallen. Heute wird es dank einer Millionenhilfe vom Land saniert. Bauherrin ist die die Stiftung Kulturerbe im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern, bei der die Deutsche Burgenvereinigung e. V. Zustifterin ist.
Wasserschloss Quilow
Wasserschloss Quilow, Foto: Detlev Blohm 2019
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts war das Schloss baufällig und dringend reparaturbedürftig. An allen vier Außenseiten wurde es nachträglich durch mächtige Strebepfeiler gesichert. Anfang des 19. Jahrhunderts fand eine erste umfassende Sanierung statt. Von 1958 bis 1967 wurde die Anlage erneut restauriert. Die meisten Mängel wurden jedoch nur kaschiert, nicht aber ursächlich beseitigt, und der Wassergraben weitgehend zugeschüttet. In den 80er Jahren folgten weitere Instandsetzungsarbeiten sowie 1992/93 eine – maßgeblich von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geförderte – Sicherung des Fundaments mittels eines auch von außen sichtbaren Stahlträgersystems, eines „Stahlkorsetts", das vom Erdgeschoss bis in das Dachgeschoss reicht. Dabei wurde die Holzkonstruktion, die das Gebäude jahrhundertelang zusammengehalten hat, beschädigt. Die Rettung des schwer verletzten Baudenkmals erfordert nunmehr äußerstes Fingerspitzengefühl insbesondere bei der Lösung statischer Probleme. Der Fördervereinsvorsitzende, Herr Uwe-Moritz Eichler, und Mitstreiter Dirk Lagall schildern uns den zu erwartenden Aufwand buchstäblich an der offenen Wunde. In kleineren Gruppen geführt, besichtigten wir das gesamte Haus und kommen aus dem Staunen nicht raus, wie viel Engagement und Enthusiasmus die beiden für die Rettung Quilows aufbringen und auch noch Zeit finden, uns zu beköstigen. Nochmal ein herzliches Dankeschön dafür.

Wasserschloss Quilow, Kaffeepause, Foto: Detlev Blohm 2019

Nach dieser beeindrucken Fahrt durch unser lieb gewonnenes Vorpommern erreichen wir am Abend gesund und munter den Ausgangspunkt unserer Reise und freuen uns schon auf die nächste Burgenfahrt.

Text: Hinrich Lührs,  Fotos: Detlev Blohm (2019)
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