Wahl des neuen Vorstands auf der Runneburg

Am 22. Februar 2020 wurde nach einem kurzen Stadtrundgang auf der Runneburg in Weißensee der neue Vorstand der Landesgruppe Thüringen gewählt.

Das herrliche Sonnabendwetter wurde im Vorfeld der Mitgliederversammlung für einen kurzen Rundgang durch den Stadtkern genutzt, um neben der Runneburg auch die Stadtkirche St. Peter und Paul zu besichtigen.
Die Runneburg mit ihren romanischen Bauwerksteilen sowie der prächtigen Innenausstattung zählt zu den besterhaltenen romanischen Burgen Deutschlands. Höhepunkte der mittelalterlichen Baukunst sind der Palas und der dazugehörige fünfgeschossige Palas-Turm. Beide Bauten wurden gemeinsam konzipiert und im ausgehenden 12. Jh. fertiggestellt. Im Palas finden sich bemerkenswerte Zeugnisse mittelalterlicher Steinmetzkunst, darunter eine sogenannten Astsäule mit einem Kapitell, das detailreiche Weinranken zeigt. Seit 1996 ist die Burg von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufwendig gesichert und saniert worden.
Weißensee. Die Ronneburg mit Palas und saniertem Palasturm von Süden (Foto: Franz Nagel, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)
Die Stadtkirche St. Peter und Paul, die in den letzten Jahren aufwendig restauriert wurde, wurde im frühen 13. Jh. fertiggestellt. Im Innern befinden sich Emporen, die sich über 2 Etagen erstrecken. Die mehr als 100 Brüstungsfelder sind mit szenischen Darstellungen bemalt. Die ebenmäßig aufgeteilte Kassettendecke entstand wohl ebenfalls in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts und war ebenfalls reich ornamental bemalt.
Am zwischen Burg und Kirche liegenden historischen romanischen Rathaus, in dem heute noch Bier ausgeschenkt wird, welches nach dem Weißenseer Reinheitsgebot von 1434 gebraut wurde, wurde ebenfalls Station gemacht. Das Rathaus zählt zu den ältesten Deutschlands. 1351 wurde es erstmals erwähnt, steht aber schon wesentlich länger, denn der Rest eines um 1200 erbauten repräsentativen romanischen Steinhauses ist heute noch zwischen den Bauten des 15. und 16. Jh. zu sehen.
Teilnehmer und Gäste der Landesgruppenversammlung vor dem Portal des 1890 in der Burg erbauten früheren Landratsamtes
Landesgruppenversammlung
Die von Thomas Leibrecht, Mitglied des Präsidiums, eröffnete und von Gerhard Wagner, Geschäftsführer der DBV, geleitete nachmittägliche Wahlversammlung fand in Anwesenheit der Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Saal der Bildungs- und Begegnungsstätte 3B-Weißensee, dem alten preußischen Landratsamt, auf dem Burggelände statt. Dabei wurde der Historiker Michael Kirchschlager, der mittlerweile über 30 Jahre zu Thüringer Burgen forscht und publiziert, zum Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter wird der Archäologe Thomas Stolle, bereits vor 30 Jahren Gründungsvater der Thüringer Landesgruppe und vielen Burgenfreunden bekannt als Retter der Runneburg. Weitere Vorstandsmitglieder sind Marie Linz M.A., Museumsleiterin und „Burgherrin“ auf der Wasserburg Kapellendorf, die sich in den letzten Jahren durch hervorragende Ausstellungen einen Namen gemacht hat, Dipl.-Ing. Matthias Brautzsch, der sich gemeinsam mit seiner Frau Ines in Nimritz bei Oppurg im Saale-Orla-Kreis um die kulturelle Nutzung und Erhaltung des wunderbaren dortigen Schlosses bemüht, sowie das langjährige Vereinsmitglied Volker Gölitz, der mit seiner Erfahrung als Bauingenieur und mit seinem Organisationstalent den Landesgruppenvorstand verstärkt.
Vier Fünftel des neuen Vorstand (v.l.n.r.): Thomas Stolle, Michael Kirchschlager, Matthias Brautzsch und Volker Gölitz
Wie der neue Vorsitzende in seinem Grußwort sagte, wird sich der neugewählte LG-Vorstand weiterhin für die Burgen- und Schlösserlandschaft Thüringens einsetzen und das Vereinsleben aufrecht erhalten; so sei es eines der Ziele, im Herbst die Jubiläumsfeier zu 30 Jahren LG Thüringen und eine damit verbundene Exkursion zu organisieren. Er betonte, dass der Vorstand dabei gern auf die Hilfe der Mitglieder zurückgreifen werde, die aufgefordert seien, Ideen, Anregungen, Wünsche etc. dem Vorstand mitzuteilen.
Michael Kirchschlager
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Aktuell:
Kulturstiftung Mitteldeutschland Schlösser und Gärten
Die mitteldeutschen Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt haben bekanntlich eine beindruckende Zahl von Baudenkmalen, von denen sich viele im Besitz des jeweiligen Landes bzw. entsprechender Landesstiftungen befinden. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten besitzt 31 Liegenschaften, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt 18 Anlagen. Es ist klar, dass der Unterhalt dieser Baudenkmale sehr viel Geld kostet.
Im November 2018 wurde vom Bundesfinanzausschuss ein Betrag von 200 Mio. Euro für die Sanierung und Aufbereitung von Baudenkmalen in Thüringen und Sachsen-Anhalt genehmigt, allerdings unter der Voraussetzung, dass die beiden Länder ihrerseits jeweils 100 Mio. dazugeben. Diese insgesamt 400 Mio. Euro sollen aber nicht zur Hälfte den beiden existierenden Landesstiftungen zukommen, sondern dafür soll nach dem Willen des Bundes eine „Kulturstiftung Mitteldeutschland Schlösser und Gärten“ neu gegründet werden, in die die Baudenkmale, die sich jeweils im Eigentum der beiden Landesstiftungen befinden, übergehen sollen.
Sachsen-Anhalt hat sich bereits entschieden, seine Landesstiftung in ihrer Gesamtheit in die neue Stiftung einfließen zu lassen. In Thüringen scheint es unterschiedliche Meinungen zu dem Vorhaben zu geben. Vielen Thüringern ist das Geld für ihre Baudenkmale wichtig, das an die Gründung der neuen Stiftung gebunden ist; viele allerdings lehnen das Ganze ab, weil sie befürchten, dass Thüringen damit einem fundamentalen Verlust seiner Kulturidentität und seiner Selbstbestimmung zustimmen würde.
Die Entscheidung im Thüringer Landtag soll im Sommer fallen. Auf der Petitionsplattform des Landtags wurde am 8. Juni 2020 unter dem Titel „Für den Erhalt der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit Sitz in Rudolstadt“ eine Petition zur Gründung dieser „Kulturstiftung Mitteldeutschland Schlösser und Gärten“ eingereicht. Über Inhalt, Ziele und Begründung der Petition kann man sich auf der Seite https://petitionen.thueringer-landtag.de/petitions/1847 informieren und ggfs. daran teilnehmen.