Wechsel im Präsidium

Mitgliederversammlung wählt neues Präsidium

Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Ende April in Kassel fand ein Wechsel an der Spitze dieser ältesten privaten überregionalen Denkmalschutzinitiative in Deutschland statt. Als neue Präsidentin wählten die Mitglieder die bisherige Vizepräsidentin, Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner aus Köln. Der bisherige Präsident, Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, stand nach 27 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl.

Fürst Sayn-Wittgenstein würdigt Bedeutung für den Denkmalschutz

In einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung stellte Fürst Sayn-Wittgenstein in seiner Abschiedsrede die Besonderheit der Burgenvereinigung heraus. „Ich kenne keine Denkmalorganisation in Deutschland, auch nicht in Europa, deren Mitgliedschaft auf vier Säulen ruht: den Objektbesitzern, den Denkmalpflegern, den Bauforschern und den Denkmalfreunden. Dieses gleich gewichtete Miteinander von vier sehr heterogenen Gruppierungen ist das Alleinstellungsmerkmal und die Stärke der DBV. Uns verbindet nicht ein persönliches Interesse, sondern die Sache selbst: die Burgen und Schlösser in Deutschland.“
Der scheidende Präsident appellierte, den Einsatz für den Denkmalschutz nicht ruhen zu lassen. „Wir beobachten seit Jahren eine gefährliche Erosion des früher unbestrittenen Konsens, dass die öffentliche Hand die Objektbesitzer bei den denkmalpflegerischen Mehraufwendungen zu unterstützen hat, damit diese gegenüber dem normalen Hauseigentümer nicht wegen ihrer Denkmallast über Gebühr benachteiligt sind.“ Die für die Kultur zuständigen Länder würden die Denkmalförderung besonders für mittlere und kleinere Objekte dramatisch kürzen, zuletzt das reiche Land Nordrhein-Westfalen. Der weitgehende Ausfall von Fördermitteln führe zwangsläufig nach einigen Jahren zu einer neuen Denkmalnot.
Fürst Sayn-Wittgenstein bezeichnete als ein weiteres wichtiges Thema die Benachteiligung des Denkmalschutzes gegenüber dem Umwelt-, Natur- oder Klimaschutz, etwa bei der unsensiblen Planung von Windkraftanlagen im Umfeld historischer Gebäude. Genauso wenig erführe der kulturelle Wert des Denkmals eine besondere Berücksichtigung bei vielerlei Steuern, Gebühren und Abgaben.
Zuletzt beklagte der scheidende Präsident eine mangelnde Beachtung der Burgen, Schlösser, Klöster und Gärten als Tourismusmagneten in Deutschland. „Kaum einer weiß, dass die rund 3.500 kommerziell betriebenen Objekte insgesamt rund 100 Millionen Besucher pro Jahr empfangen, weit mehr als alle Museen, Theater oder auch Fußballstadien, die alle ungleich mehr Förderung erhalten.“ Mit über 1 Milliarde Euro Umsatz im Tourismus, der unmittelbar an den Objekten erfolge, würden unsere Baudenkmale einen völlig unterschätzten Wirtschaftsfaktor darstellen. Die damit verbundenen Arbeitsplätze seien ortsgebunden und könnten nicht in Billiglohnländer transferiert werden. Auch hier würde noch sehr viel mehr Verbandsarbeit des deutschen Denkmalschutzes notwendig werden.

Frühere Kölner Dombaumeisterin neue Präsidentin

Zur Nachfolgerin wählte die Mitgliederversammlung die Architektin, promovierte Kunsthistorikerin und  Universitätsprofessorin Barbara Schock-Werner. Die ehemalige Dombaumeisterin von Köln war bereits seit 1995 Vizepräsidentin der Vereinigung.

Die neue Präsidentin Prof. Dr. Barbara Schock-Werner und der Ehrenpräsident Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn bei der Schlüsselübergabe, Foto: Dr. G. Wachholz, 2013
In diesem Amt folgt ihr als Vertreter der privaten Besitzer von Burgen und Schlössern Heinrich Ico Prinz Reuß. Der Eigentümer von Schloss Lechenich am Niederrhein ist Rechtsanwalt und Spezialist für Erbrecht.
Als Schatzmeister bestätigte die Versammlung den Finanzfachmann Andrés Ebhardt, Urenkel des Architekten Bodo Ebhardt, der 1899 die Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen, den Vorläufer der Deutschen Burgenvereinigung, gegründet hatte.
Ebenfalls bestätigt wurden als Beisitzer die Architekturhistorikerin Prof. Dr. Sabine Bock und der Jurist und Denkmalschützer Rüdiger Mertens.

Langjähriger Präsident mit Festakt verabschiedet

Lang anhaltender Applaus für Fürst Wittgenstein, Foto: P. Heßler 2013

Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wurde am 16. Mai im Rahmen einer Feierstunde auf der Marksburg vor 150 geladenen Gästen aus Politik, Denkmalschutz und Kultur verabschiedet. Die neue Präsidentin würdigte ihren Vorgänger als eine Persönlichkeit, die durch ihre erfolgreiche und selbstlose Arbeit die älteste bundesweit tätige Denkmalinitiative geprägt und voran gebracht habe. Wenn der Präsident nach 27 Jahren den Vorsitz der Burgenvereinigung abgebe, gehe er dem Denkmalschutz aber nicht verloren. Er werde auch künftig nicht ruhen, sich für den Erhalt von historisch wertvollen Objekten einzusetzen, sowohl auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Er bleibe Vizepräsident von Europa Nostra, dem europäischen Verbund der Initiativen des Denkmal- und Landschaftsschutzes, und Vorsitzender dessen deutscher Untergruppe. Ebenso wirke er als 2. Vorsitzender des neuen Vereins Schlösser und Gärten in Deutschland e.V.. Auch seiner DBV bleibe er als neuer Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Burgenvereinigung eng verbunden, die jährlich besondere Leistungen für den Denkmalschutz mit einem Preis auszeichnen will.

Fürst Wittgenstein bei seiner Abschiedsrede, Foto: P. Heßler, 2013
Staatssekretär Schumacher würdigte ebenfalls die Leistung Fürst Wittgensteins und bedauerte, dass das Land Rheinland-Pfalz ihm bereits vor einigen Jahren die höchste Landesauszeichnung verliehen habe, so dass er diesmal nur ein herzliches Dankeschön aussprechen könne.
Dr. Claus-Peter Echter, Vorstandsmitglied von Europa Nostra Deutschland und Mitglied des International Scientific Committee von ICOMOS, überbrachte die Grüße von Europa Nostra und drückte seine Freude darüber aus, dass Fürst Wittgenstein in den genannten Initiativen dem Denkmalschutz erhalten bleiben werde.
Der Bürgermeister der Stadt Braubach, des Standortes der Marksburg, des Vereinssitzes der Burgenvereinigung, dankte dem bisherigen Präsidenten für die erfreulichen Auswirkungen, die seine Arbeit auch aus lokaler Ebene habe, weil die Erhaltungs- und Verschönerungsarbeiten an Marksburg und Philippsburg dem Stadtbild von Braubach zugute gekommen seien. Er begrüßte die neue Präsidentin in seiner Stadt und wünschte sich, dass die Zusammenarbeit auch fürderhin in vertrauensvoller Atmosphäre stattfinden möge.
Die Feierstunde wurde vom Ensemble Ranunculus mit Renaissance-Musik umrahmt; eine Projektion mit Fotos aus den letzten 27 Jahren weckte Erinnerungen an die Amtszeit des Fürsten.

2.-4. Mai 2014
Mitgliederversammlung in Plön und Kleine Burgenfahrt in Holstein

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