Rezensionen Deutsche Zusammenfassungen Tanja Kilzer: Ritter, Apostel, Engel und der Fall Babylons – die romanischen Fresken in der Burgkapelle St. Sigismund auf der Festung Hohenwerfen Die in den Jahren 1984/85 im Rahmen der touris- tischen Erschließung der Festung Hohenwerfen unter einer frühneuzeitlichen Putzschicht wieder- entdeckten romanischen Fresken gehören zu den ältesten erhaltenen Fresken Mitteleuropas. Ent- standen im 12. Jahrhundert in den Wirren des Investiturstreits bilden sie nicht nur Teile der bib- lischen Erzählung der Offenbarung des Johannes ab, sondern können indirekt als politisch-ideolo- gisch aufgeladene Bilder interpretiert werden, die sich gegen die weltliche bzw. kaiserliche Seite im religiös-politischen Konflikt stellen. Die Festung Hohenwerfen war im Rahmen der poli- tischen Streitigkeiten zum Schutz des Salzburger Landes Ende der 1070er Jahre unter Erzbischof Gebhard entstanden. Sie sollte sich als Bollwerk der päpstlichen Seite im Investiturstreits etablie- ren, den Salzburger Kirchenschatz schützen, das Land vor Angriffen Königstreuer bewahren sowie Heinrich IV. den kürzeren Rückweg über die Alpen bei seinem Gang nach Canossa abschneiden. Auch unter Konrad I. wurde die Burg bedingt durch den anhaltenden Konflikt weiter ausgebaut. In diesem Zusammenhang erfuhr auch die Burgkapelle einen Ausbau und eine Ausschmückung. Motive, wie die Hure Babylon, der Kampf gegen das Böse, ein schüt- zender Ritter, Apostel sowie ein multiinterpretati- ves Bildprogramm an der Ostwand entstanden in repräsentativen Formen und detailliertem Umfang. steht der Wandmalereizyklus des Saals aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, einer der wenigen erhal- tenen monumentalen Artuszyklen Europas. Die Szenen der Lancelot-Erzählung werden durch die Figuren des hl. Christophorus sowie der Könige David und Salomo moralisch gerahmt. Architektur, Raumorganisation und Malerei bilden ein geschlos- senes Repräsentationskonzept. Dominic Olariu: Die Tacuina sanitatis als Vor- lage für drei Fresken im Palazzo di Cansignorio in Verona Dominic Olariu untersucht drei fragmentarisch erhaltene profane Fresken aus dem Veroneser Palazzo di Cansignorio, die Einträge zu Anis, Wei- zenstärke und altem Wein in Bild und Text wieder- geben. Sie greifen auf die Tacuina sanitatis zurück – vier um 1390/1400 in Norditalien illuminierte Handschriften, die eine lateinische Übersetzung des arabischen Diätetik-Traktats Kitāb Taqwīm al-Ṣiḥḥa des Bagdader Arztes Ibn Buṭlān mit einem aufwendigen Bildprogramm verbinden. Der Beitrag ordnet die Tacuina medizinhistorisch den Regimi- na sanitatis zu und zeigt, dass sie zugleich Züge eines gesundheitlichen Fürstenspiegels tragen. Als Textvorlage der Fresken lässt sich die Pariser Handschrift wahrscheinlich machen. Vergleiche mit den Monatsbildern im Torre d'Aquila in Trient und der Sala dei Nove in Siena verdeutlichen die Bildformeln einer wohlgeordneten Gesellschaft. Die zwischen 1387 und 1404 entstandenen Fresken markierten den ehemaligen Scaligerpalast als vis- conteische Annexion. Przemysław Nocuń: Der mittelalterliche Wohn- turm in Siedlęcin (Boberröhrsdorf), Schlesien: Eine Analyse der Architektur, der Bauge- schichte und des spätgotischen Wandmalerei- zyklus Im Mittelpunkt des Aufsatzes steht der herzogliche Wohnturm von Siedlęcin (Boberröhrsdorf) bei Jele- nia Góra in Niederschlesien. Dendrochronologische Untersuchungen erlauben eine ungewöhnlich prä- zise Rekonstruktion der Baugeschichte: Der Turm entstand zwischen 1312 und 1315 unter Herzog Heinrich I. von Jauer, also unmittelbar nach dessen Herrschaftsantritt. Der Beitrag zeichnet die einzel- nen Bauphasen nach und beschreibt die funktio- nale Gliederung der Geschosse – von den wirt- schaftlich genutzten unteren Bereichen bis zum zweiten Obergeschoss mit großem Saal, beheizter Stube und sanitären Einrichtungen. Im Mittelpunkt Julia Bock und Antje Sander: Die Goldlederta- peten im Schloss Jever. Geschichte, Bestand und Bedeutung einer barocken Raumausstat- tung Vorgestellt werden im Beitrag die Goldledertapeten im Schloss Jever, eines der umfangreichsten und besterhaltenen Ensembles dieser Art in Deutsch- land. Ausgangspunkt sind Tapetenfragmente, die 2019 bei Restaurierungsarbeiten unter den Dielen des Freesenturms entdeckt wurden. Die Tapeten stammen aus Mechelner Werkstätten des frühen 18. Jahrhunderts und wurden 1743 unter Fürst Johann Ludwig von Anhalt-Zerbst für die fürstli- chen Räume von Zerbst nach Jever gebracht. Der Beitrag beschreibt die drei erhaltenen Raumaus- stattungen – darunter das Edzardzimmer mit sei- Burgen und Schlösser 3/2026 205