Landesgruppe Bayern

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LG Bayern Mitgliederversammlung mit Neuwahl des Vorstandes & Vortrag

 08.12.2022, 19:30 - 22:00 Uhr

 Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

 

An die Mitgliederversammlung schließt sich der Vortrag von Dr. phil. Michael Losse mit dem Thema an:

Vom „Burgensterben“ zum „Stein-Recycling“ – warum so viele Burgen und Schlösser im südlichen Oberbayern „verschwanden" oder zu Burgställen wurden

In der jüngeren Burgenfachliteratur findet sich der für Laien befremdliche Terminus „Burgensterben“, mit dem die Aufgabe zahlreicher Burgen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit bezeichnet wird. Das Burgensterben hatte – je nach Zeit und Region – verschiedene Gründe: Nachdem schon im 12. Jahrhundert infolge der Verlagerung von Herrschaftszentren und veränderter wirtschaftlicher Bedingungen Burgen an günstigere Standorte verlegt worden waren, kam es im 14./15. Jahrhundert zum eigentlichen Burgensterben; in diesem Zeitraum wurde etwa die Hälfte der um 1300 im heutigen Deutschland bestehenden Burgen endgültig aufgegeben. Zu den Ursachen gehörten der wirtschaftliche Niedergang der Ritter bzw. des (Nieder-)Adels und die daraus resultierende bauliche Vernachlässigung von Burgen sowie politischer Druck seitens dynastischer Landesherren oder die Landesherrschaft ausübender Klöster, die ihre Territorien ausbauten und Ritter aus ihren Burgen vertrieben.

Zerstörungen im Kontext militärischer Konflikte waren offenbar im Mittelalter selten, doch viele Burgen und Schlösser erfuhren große Beschädigungen im 30-jährigen Krieg. Baulich vernachlässigt fielen manche in den folgenden Jahrhunderten Abbrüchen zum Opfer – vielfach mit der Absicht, auf diese Weise Steine bzw. Ziegel und Holz für Neubauten wiederverwenden zu können, oftmals für Baumaßnahmen in München im 18./19. Jahrhundert. 1854 berichtete der Historiker Friedrich Hektor Graf v. Hundt: „… die aus dem Lehm gebrannten Bausteine sind so kostbar, daß sie nirgends unbenützt in Ruinen belassen werden, sondern, wenn noch brauchbar, zu neuen Bauten stets gesucht sind“ (Friedrich Hector Graf Hundt, Alterthümer des Glongebietes. Erste Lieferung, München 1854, S. 3).

In manchen Fällen war es der ehemalige Standort einer Burg, dem das Interesse galt; Burghügel verschwanden durch Kies- oder Mergelabbau. Genutzt wurde Mergel in der Landwirtschaft zur Bodenverbesserung in trockengelegten Feuchtgebieten; der in ihm enthaltene Kalk neutralisierte saure Böden und der Ton verfestigte sie. Zudem wurde Mergel im 19. Jahrhundert zunehmend für die Herstellung von Zement genutzt, der für den Münchner Bauboom wichtig war. Auch die Gewinnung größerer Landwirtschaftsflächen waren mancherorts ein Grund, Burgruinen und -reste zu beseitigen.

Dr. Michael Losse