Aktuelles aus dem Verein

Gefährdung des baukulturellen Erbes durch die Corona-Pandemie

Die Deutsche Burgenvereinigung, Mitglied bei Europa Nostra Deutschland und bei Schlösser und Gärten in Deutschland e.V., ist von der Corona-Pandemie besonders betroffen, weil sie in hohem Maße von den Einnahmen auf der vereinseigenen Marksburg finanziell abhängig ist. Die Marksburg hatte im letzten Jahr 190.000 Besucher, war aber seit dem 17. März bis zum 10. Mai wie andere Burgen und Schlösser auch geschlossen und ist nun nur mit Einschränkungen geöffnet . Das bedeutet, dass uns sämtliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf, dem Museumsshop und der Burgschänke, zusammen über eine Million Euro, die für Personal und Infrastruktur, aber auch für die Erhaltung der Burg selbst dringend benötigt werden, wegbrechen.
Es ist im Moment nicht klar, wie die DBV diese Krise überstehen wird. Einsparungen im Etat und Verschiebung von Restaurierungsmaßnahmen sind selbstverständlich, aber auch wir werden auf staatliche Hilfe dringend angewiesen sein.
Insofern unterstützt die DBV die folgende Petition in jeder Hinsicht.

Brief des Vereins Schlösser und Gärten an Prof. Monika Grütters,
Staatsministerin für Kultur und Medien beim Bundeskanzleramt.

Sehr geehrte Frau Ministerin,
im Namen unserer Mitglieder möchten wir uns bedanken für die außerordentlich rasche, substantielle und weitsichtige Reaktion auf die ernsten Herausforderungen der aktuellen Krise für die im weiten Bereich der Kultur Engagierten.
Wie alle Einrichtungen des kulturellen Erbes werden auch die Besitzer der für die Öffentlichkeit zugänglichen Schlösser, Burgen, Klöster und historischen Gärten erheblich durch die Folgen der Corona-Pandemie bedroht, ebenso wie die mit ihnen unmittelbar verbundenen gastronomischen, touristischen und denkmalhandwerklichen Betriebe. Denn viele der privaten und öffentlich erhaltenen Denkmale können relevante Einnahmen lediglich aus dem Besucher- oder Veranstaltungsbetrieb erwirtschaften.
Wegen der erforderlichen Schließungen entfallen diese Einnahmen derzeit in Gänze. Insbesondere für einige der privaten Besuchermonumente bedeutet dies eine unmittelbare Existenzgefährdung.
Doch werden sie zusätzlich noch durch einen weiteren Aspekt belastet, über den wir Sie informieren möchten.
Die Mehrzahl, es sind rund 500.000, dieser Baudenkmale, befinden sich in privater Verantwortung. Aber auch die Schlösser und historische Gärten in kommunaler oder staatlicher Hand, bzw. in Stiftungsbesitz sind in der Regel weit stärker für Betrieb und Denkmalerhalt auf Einnahmen aus Eintritten, Vermietungen und Verpachtungen angewiesen als andere Kultureinrichtungen.
Die Einnahmen aus den touristischen und Veranstaltungsaktivitäten werden bei allen weit überwiegend in Erhalt und Pflege der Denkmalsubstanz reinvestiert. Sie entlasten mit diesen Erträgen die öffentlichen Haushalte bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, das kulturelle Erbe zu bewahren, erheblich und nachhaltig.
Die aktuelle Pandemie mit ihren Schließungen und dem Einbruch des Tourismus zwingt die Besitzer dazu, Stiftungskapital oder Rücklagen für die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen anzugreifen, um Gehälter zu bezahlen und die Liquidität aufrecht zu erhalten - mit dem Ergebnis, dass nicht nur die betriebliche Existenz massiv gefährdet, sondern zusätzlich durch fehlende Pflegeetats ein substanzbedrohender Verlust des kulturellen Erbes zu befürchten ist - an Gebäuden wie an historischen Parkanlagen. Gerade diesen wächst als wohnortsnahe Erholungsoasen während und nach der Pandemie aber zusätzliche Bedeutung zu.
Dabei sind diese Reserven wichtiger denn je. Denn nicht nur die Gebäude, sondern in besonderem Maße auch die vielen Gartendenkmale benötigen zusätzlichen Pflege- und Restaurierungsaufwand, um die existenzgefährdenden Folgen des Klimawandels aufzuhalten.
Wir würden uns freuen, Ihnen diesen bedrohlichen Sachverhalt zeitnah tiefgehender erläutern zu dürfen, vor dem Hintergrund anstehender Überlegungen zur Folgeabwehr der aktuellen Krise.
Gern stehen wir Ihnen für weitere Informationen zur Verfügung. Der Verein Schlösser und Gärten in Deutschland ist die einzige bundesweite Vereinigung, in der sich private, kommunale und staatliche Eigentümer zusammengeschlossen haben. Dem Verein gehören rund 340 Monumente mit ca. 18 Mio. jährlichen Gästen an, sowie Organisationen wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Deutsche Burgenvereinigung, die Aktionsgemeinschaft privates Denkmaleigentum, die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur oder die Deutsche Burgenstraße.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Hörrmann  und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein
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Termine 2020

21. - 25. September 2020
Seminar für Burgenforschung zur Stadtbefestigung in Trier-Pfalzel

23.-25. April 2021
DBV-Jahresfahrt in Sachsen-Anhalt mit Mitgliederversammlung in Quedlinburg
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Erstmalig in Deutschland erhalten alle privaten Denkmaleigentümer eine pauschale Ermäßigung bei der Grundsteuer
Erklärung auf der Seite der Aktionsgemeinschaft Privates Denkmaleigentum
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DBV Förderleitfaden ist online
Die Erhaltung der teilweise hunderte Jahre alten historischen Bausubstanz, um die es hier geht, ist meist mit kostspieligen Restaurierungsmaßnahmen verbunden, deren Finanzierung den Eigentümern nicht leicht fällt.
Wohin kann man sich also als Eigentümer eines Baudenkmals wenden? Welche Förderadressen gibt es?
Gemäß der in unserer Satzung geforderten „Beratung der Eigentümer von historischen Wehr- und Wohnbauten bei der Wiederherstellung, Erhaltung und sinnvollen Nutzung dieser Baudenkmale“ ist auf Initiative des Präsidiums der DBV ein Leitfaden der Fördermöglichkeiten und Preise für Denkmalschutz und Denkmalpflege erarbeitet worden, der die für den Denkmalschutz relevanten Stellen nennt, wo Zuschüsse beantragt werden können.
Download Förderleitfaden
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