Rückblicke auf Veranstaltungen der Landesgruppe Bayern

13. Juli 2019: Tagesexkursion der Landesgruppe in das Inntal

Den Burgennamen Falkenstein gibt es in Deutschland wohl über 20 Mal. Reiseziel der bayerischen Landesgruppe war dieses Mal die Burg bei Flintsbach im Inntal, die nach dem gleichnamigen Geschlecht benannt wurde. Diese alte und mächtige Familie ist vor allem wegen des Codex Falkensteinensis von 1166 berühmt, einem der ältesten Urbare. Das Geschlecht starb 1263 aus, die Stammburg wurde 1296 zerstört und verfiel.
Burg Falkenstein
Die heutige, bereits von weitem gut sichtbare Burganlage wurde in der Folge von dem neuen Eigentümer, dem bayerischen Herzog, auf einem tieferen Standort neu begründet. Nach einer wechselhaften Geschichte gehört die Burg mittlerweile dem Landkreis Rosenheim und  wird seit vier Jahren behutsam instand gesetzt.
Baustelle auf der  Burg Falkenstein
Die Reisegruppe hatte somit die Gelegenheit, vom Schriftführer der Landesgruppe, Johannes Fischer, der die gesamte Maßnahme leitet und verantwortet, die konkreten statischen, konzeptionellen und technologischen Fragen und Probleme aus erster Hand dargestellt zu bekommen.
Bergfried Burg Falkenstein
Nach dem Besteigen des Bergfriedes, der einen herrlichen Blick in die Voralpenlandschaft bietet, ging die Fahrt in das pittoreske Städtchen Neubeuern. Dieses verdankt seinen malerischen Marktplatz einem verheerenden Stadtbrand im 19. Jahrhundert und anschließenden Wiederaufbau nach einem historisierenden Entwurf des Architekten Gabriel von Seidl.
Als drittes Objekt wurde das Schloß Hohenaschau gewählt. Dies war einst ebenfalls in der Hand der Falkensteiner. Im 17. Jahrhundert kam es in den Besitz der Grafen von Preysing. Diese veranlaßten einen Umbau zu einer Schloß ähnlichen Residenz mit einer grandiosen barocker Ausstattung. Besonders bemerkenswert ist ein Raum mit einer Ausmalung mit verschiedenen römischen Villen und Gärten.
Ein weiterer illustrer Besitzer in der Nachfolge war die Familie von Cramer-Klett. Als Eigentümer u.a. von MAN, Allianzversicherung, Münchner Rück, gehörte sie einst zu den reichsten Familien in Deutschland. Auch diese Familie hat das Schloß um weitere Anbauten bereichert.
Unser viertes und letztes Ziel war die Kirche in Urschalling. Der Ort mit einer abgegangenen Burg gehörte zeitweilig ebenfalls zum Machtbereich der Falkensteiner. Die beeindruckende Kirche St. Jakobus stammt bereits aus dem 12. Jahrhundert. Überregional berühmt ist sie wegen ihrer gut erhalten Fresken aus dem 12. und 14. Jahrhundert.
Die hochspannende Führung und Erläuterungen der Fresken und des ikonographischen Programms durch Frau Marquard-Mois haben auf alle Teilnehmer einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Dieses kulturell vielseitige Programm vor einer überwältigenden Naturkulisse von den Alpen bis zum Chiemgau hat allen Teilnehmern trotz eines kurzen, aber heftigen Gewitters einen unvergeßlichen Tag beschert. Und ganz zum Schluß muß noch erwähnt werden, daß diese Fahrt von unserem Mitglied Dr. Rolf Bender organisiert worden ist, dem wir hier nochmals herzlich danken!
Johannes Fischer
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15. Juni 2019: Sommerexkursion ins Fünfseenland

Unter Leitung des Burgenforschers und Mitglied unseres wissenschaftlichen Beirates Dr. Michael Losse führte die Tagesexkursion der LG Bayern zu Schlössern und Klöstern in die oberbayerische Region zwischen Ammersee und Starnberger See.
Das erste Ziel bildete die spätkeltische Viereckschanze von Buchendorf, die zu den am besten erhaltenen Anlagen dieser Art Süddeutschlands zählt. Vor Ort konnte Herr Dr. Losse den Teilnehmern neueste Forschungsergebnisse zu Funktion und Verbreitung dieser Anlagen präsentieren.
Gruppe an der Keltenschanze
Vorbei am Burgstall der Karlsburg bei Leutstetten ging die Fahrt nach Starnberg. Der Vierflügelbau des Starnberger Schlosses mit Steilgiebeln liegt weithin sichtbar auf einer langgestreckten Moränenzunge über dem Ort und dem Starnberger See. 1541 erfolgte unter Herzog Wilhelm IV. der Abbruch der mittelalterlichen Burg und die Neugestaltung eines Wohn- und Wehrbaus im Renaissancestil. Seine große Zeit hatte es Ende 16. bis zum Ende des 17.Jh., als es zum prachtvollen Sommersitz der Wittelsbacher ausgebaut wurde. Bis zum  Beginn des 19. Jh. nur noch als Lagerhaus genutzt, erlangte es erneut Bedeutung als Rentamt. 1969 bis 1972 wurde das Schloss leider völlig entkernt und umgebaut und dient noch heute als Finanzbehörde, läßt jedoch in der gesamten Anlage noch gut seine Wurzeln als mittelalterliche Burganlage erkennen.
LG-Bayern vor dem Kloster Polling
Nach der Besichtigung der Außenanlagen des Schlosses war das ehemalige Kloster Polling mit der katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz unser nächstes Ziel. Hier wurden die Exkursionsteilnehmer vom Pollinger Kulturreferenten Michael Jarnach begrüßt und fachkundig durch Kirche und Fischerbau geführt.
Herr Jarnach und Herr Bender
Die dreischiffige gotische Hallenkirche  wurde zwischen 1416 und 1420 als Kirche eines Augustiner-Chorherrenstiftes errichtet.
Tassilo-KreuzWertvollstes Ausstattungsstück der Kirche ist das so genannte Tassilo-Kreuz, ein hochmittelalterliches Tafelkreuz, dessen Fichtenbretter von einem Baum stammen, der zwischen 884 und 1018 gefällt wurde. Als das Kreuz brüchig wurde, nahm man Metallklammern zur Hilfe, hüllte das ganze Kreuz in Pergament, das bemalt und vergoldet wurde. Die Malerei datiert aus der Zeit um 1230/40.  Der Fischerbau, das nach seinem Architekten Johann Michael Fischer benannte riesengroße ehemalige Kühlhaus der Stiftsbrauerei mit gewaltigen Gewölbekellen wurde 1745/46 mit bemerkenswerter Bautechnik (Kühlungstechnik) errichtet und dient heute als  Ausstellungsgebäude. 
Die anschließende Mittagspause im nahe gelegenen Oberhausen wurde aufgrund des hervorragenden Kuchenbuffets etwas verlängert, so dass die Gruppe frisch gestärkt zum ehemaligen Kloster Wessobrunn aufbrechen konnte.
Wessobrunn, Kloster, Ansicht
Hier übernahm der ehemalige Wessobrunner Bürgermeister Konrad Hölzl die Führung durch Prälatentrakt und Tassilosaal, beide mit prachtvollen Stuckaturen.  Aus den Werkstätten des Klosters entstand die Wessobrunner Schule, wo die Ausbildung zahlreicher hervorragender Künstler, insbesondere Stuckateure erfolgte, welche von hier maßgeblich die Stuckkunst in Süddeutschland und darüber hinaus beeinflussten.
Gruppe vor dem "Grauen Herzog"
Das Kloster selbst wurde im Zuge der Säkularisation 1803 aufgehoben. Ab 1810 wurde die Klosterkirche wegen Baufälligkeit abgerissen. Nur der so genannte „Graue Herzog“ aus dem 13. Jahrhundert blieb als Glockenturm erhalten, da die daneben stehende Pfarrkirche St. Johannes Baptist keine Glocken hatte.
Der "Graue Herzog"
Am Ende der Führung ließen es sich einige Exkursionsteilnehmer nicht nehmen, den massiven Turm aus Tuffsteinquadern emporzusteigen und die Aussicht über den Pfaffenwinkel zu genießen.
Den Abschluss der Tagesfahrt bildete noch ein kurzer Aufenthalt in Weilheim mit Besichtigung der Stadtmauer und des ehemaligen Pflegschlosses in Weilheim, welches wie das Starnberg Schloss heute als Sitz des Finanzamtes dient.
Weilheim, ehem. Pflegschloss
Andreas Hein