Rückblick auf die Exkursion der Landesgruppe Sachsen

Landesgruppenversammlung auf Gut Promnitz und Besuch des Gutes Jahnishausen am Sonnabend, den 20.10.2018
Schloss Promnitz, Foto: Frank Eberlein 2018
Die Teilnehmer an der heutigen Exkursion (20+5 Gäste) trafen sich 10 Uhr im großen Hof des Rittergutes Promnitz an der Elbe.
Pferdestall Schloss Promnitz, Foto: Frank Eberlein 2018
Im ehemaligen Pferdestall, der heute für Ausstellungen und Märkte genutzt wird, begrüßten uns Herr von Wolffersdorff und seine Mutter, die Besitzer des Gutes. Wir konnten für einen kleinen Obolus Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genießen.
Festsaal Schloss Promnitz, Foto: Frank Eberlein 2018
Anschließend wurden wir in den Festsaal geführt, wo von 10:15 – 11:15 Uhr unsere Landesgruppenversammlung stattfand.
Danach führten uns in zwei Gruppen Frau von Wolffersdorff und Franns von Promnitz durch das Schloss.
Promnitz wird 1185 als Besitz des Klosters Riesa erstmals erwähnt. Die Fähre, die unterhalb des Schlosses nach Riesa übersetzt, existiert seit 1197. Im 13. Jahrhundert wird der Herrensitz im Besitz  der Familie von Promnitz genannt, die ihn bis 1430 behielt. Nach der Familie von Köckeritz wird 1717 die Familie von Wolffersdorff der Besitzer des Gutes.
Schloss Promnitz ist ein drei Flügelbau, die Seitenflügel stammten aus der Renaissance (1603), während der Südflügel, anlässlich des Zeithainer Lagers 1730, im Stil des Barocks umgebaut wurde. Die Bedeutung von Schloss Promnitz geht auf den Besuch August des Starken und Friedrich Wilhelm I. zurück, die von hier dem großen Feuerwerk am 24.06.1730 zusahen. Auch der junge Friedrich der Große nahm an den Festlichkeiten teil, die für ihn wohl alles andere als vergnüglich waren.
Die letzten Besitzer, Familie Rudolph, wurden 1945 enteignet. Die Wirtschaftsgebäude und das Inspektoren Haus nutzte bis 1990 die LPG und das Schloss diente als Wohnhaus. Nach der Wende erwarb ein Ludwigsburger Privatmann das Gelände. Instandhaltungen fanden nicht statt.
So ist das Schloss heute in bedauernswertem Zustand. Die Dächer sind undicht und alle Räume müssten renoviert und repariert werden. Die Wolffersdorffs bemühen sich seit 2014, gemeinsam mit dem Kultur- und Schlossverein Promnitz, die nötigsten Arbeiten durchzuführen. Einige Langzeitarbeitslose helfen ihnen dabei. So wurde der Festsaal so weit hergerichtet, dass hier Konzerte stattfinden können und der Pferdestall wurde entrümpelt und dient unter anderem im Dezember als Raum für einen Adventsmarkt. Einige Räume des Hauses wurden möbliert, so das Eckzimmer im Südflügel, von dem man einen wunderschönen Blick auf die Elbe und das gegenüberliegende Riesa hat. Im Erdgeschoss gibt es eine Lutherstube, ein ehemaliges Arbeitszimmer. Man muss die von Wolffersdorffs und den Schlossverein für ihr Engagement bewundern und kann nur hoffen, dass weitere finanzielle Unterstützung erfolgt.

12:15 Uhr verabschiedeten wir uns und fuhren über die Elbe ins Riesaer „Hammerbräu“. Hier konnten wir bei Bier und gutem Essen mit den anderen Teilnehmern Gedanken austauschen.

14:15 Uhr brachen wir auf, um ins nahe Jahnishausen zu fahren, wo wir schon von zwei Mitgliedern der Genossenschaft erwartet wurden.
Schloss Jahnishausen, Foto: Frank Eberlein 2018
Ursprünglich eine mittelalterliche Wasserburg, hatte Jahnishausen zahlreiche Besitzer, darunter die Familie von Schleinitz. 1824 erwarb König Johann von Sachsen das Gut. Er  nutzte das Schloss als Landsitz und übersetzte hier vermutlich Dantes „Göttliche Komödie“.
Gut und Schloss blieben bis 1945 im Besitz der Wettiner. Das Schloss wurde Kindergarten und das Gut LPG. Als 1969 ein Teil des Ostflügels abbrannte, wurde das Schloss aufgegeben und verfiel. 1994 nahm der Denkmalschutz eine Notsicherung vor.
2001 erwarb die Genossenschaft „Lebenstraumgemeinschaft Jahnishausen“ Schloss und Rittergut. In den folgenden Jahren wurden im Herrenhaus, Pächterhaus, Kavaliershaus und Försterhaus des Gutes Wohnungen für die Lebenstraum Mitglieder errichtet, außerdem ein großer Garten zur Selbstversorgung angelegt. 2017 erwarb der Kulturverein „Accademia Dantesca“ das Schloss, um es im Sinne König Johanns für Bildungsangebote, Kunst und Kultur wieder zu beleben.
Restaurierte Häuser Schloss Jahnishausen, Foto Frank Eberlein 2019
Im riesigen Gelände des Gutes stehen neben den erwähnten restaurierten Gebäuden noch einige unsanierte Nebengebäude, das Schloss mit einem schönen Park. Das Schlossdach  wurde teilweise neu gedeckt, dagegen ist im Inneren noch viel zu tun.
Schloss Jahnishausen, Kapelle, Foto: Frank Eberlein 2018
Wir besichtigten die unsanierte Schlosskapelle im Erdgeschoss des Westflügels, deren Deckenbemalung noch zu erkennen ist. Wir kletterten zum Dachboden empor und sahen den  Dachstuhl, der nach Beseitigung des Schwamms teilweise neu errichtet wurde. Dabei fand man  bemalte Balken, die wegen des Schwamms nicht verbleiben konnten. Im Obergeschoss befindet sich eine kleine Bibliothek, neben der soll noch eine Wohnung entstehen. Im Ostflügel existiert ein Saal, den der Verein für Veranstaltungen und Versammlungen herrichten will.
Unsere Gastgeber bewirteten uns zum Abschluss  noch mit Kaffee und Keksen.

Wir wünschen dem Kulturverein und der Lebenstraumgemeinschaft, dass ihr Engagement anhält und die Unterstützung des Denkmalschutzes erhalten bleibt. Die schon sanierten, sehr schönen Gebäude lassen dies erhoffen.
Gegen 16:30 Uhr verabschiedeten wir uns von Jahnishausen und allen Teilnehmern und jeder fuhr nach Hause zurück. Es war ein interessanter Tag mit vielen neuen Erkenntnissen, der lange in Erinnerung bleiben wird.
Gudrun Herzig