Rückblick Burgenfahrt Sachsen 11.-12. April 2026

Bericht von der Burgenfahrt der Landesgruppe Berlin-Brandenburg der Deutschen Burgenvereinigung an den Nordrand des Erzgebirges im heutigen Freistaat Sachsen.

Eine Burgenfahrt mit Dr. Matthias Donath, Wochenende 11.–12. April 2026

Mit großer Erwartungshaltung – vorbereitet und eingestimmt durch unser Vorstandsmitglied Friederike Freifrau Ebner von Eschenbach – starteten wir am Sonnabend, den 11. April 2026 unsere zweitägige Burgenfahrt in das sächsische Erzgebirge, eine großartige Kulturlandschaft, seit dem Mittelalter reich mit Burgen und Schlössern gesegnet. Es freuten sich alle Burgenfreunde, dass schon während der längeren Anfahrt der Kunsthistoriker und große Kenner der sächsischen Geschichte und Kulturlandschaft, Dr. Mattias Donath, zu uns stieß und wir dann auch schon gemeinsam das einladende Mittagessen im Schlossgasthaus Lichtenwalde zu uns nehmen konnten. So begannen wir dann gestärkt – unter Leitung von Matthias Donath – mit der Besichtigung des großartigen Schlosses Lichtenwalde.

Das aus einer mittelalterlichen Burg hervorgegangene Schloss begeistert noch immer durch seine großartige Lage, hoch über dem bewaldeten Tal der Zschopau, eingebettet in eine zauberhafte Umgebung, die mit dem gut gepflegten Schlosspark, der zu den größten und besterhaltenen Barockgärten in Sachsen zählt, ein einzigartiges Ensemble bildet. Schon 1772 fiel Lichtenwalde an die Grafen Vitzthum von Eckstädt, die Schloss und Rittergut bis zur Vertreibung im Jahr 1945 besaßen. Wie wir hörten, wurde das großartige Schloss im Jahr 1905 Opfer eines verheerenden Brandes, dem zwei Drittel der Ausstattung zum Opfer fielen. Noch im selben Jahr begann Friedrich III. Graf Vitzthum die niedergebrannte Residenz bis 1908 mit größtem Aufwand – durch den Dresdener Hofbaumeister Gustav Frölich – wiederzuerrichten „in pietätvoller Anlehnung an den Stil des alten Schlosses“. Bei unserem Rundgang bewunderten wir das neobarocke Schloss mit seinen reichen Schmuckformen, häufig dem Rokoko entlehnt. Im Eingangsbereich führten zwei großartig geschwungene Treppenläufen in die Wohn-und Festräume des Obergeschosses. Die Gartenbereiche sind durch malerische Sandsteintreppen verbunden und mit zahlreichen Brunnen, Skulpturen und Wasserspielen geschmückt, von denen aus man immer wieder schöne Ausblicke in das Zschopautal und die bewaldeten Berghänge genießen kann.

Bei bestem Wetter ging die Fahrt weiter zum Jagdschloss Augustusburg, das majestätisch als „Krone des Erzgebirges“ – auf einem 516 Meter hohen Kegel – hoch über dem Zschopautal thront. Das im Kern aus der Zeit der Renaissance stammende Jagdschloss wurde zwischen 1586 und 1573 durch Kurfürst August von Sachsen errichtet und überzeugt noch immer durch seine quadratische Idealfigur, aber auch durch seine vier mächtigen Eckhäuser, die bis heute weit in das Erzgebirge grüßen. Schon seit dem Dreißigjährigen Krieg setzte jedoch ein langsamer Verfall ein, da von nun an andere Jagdschlösser wie Moritzburg oder Hubertusburg bevorzugt wurden und das bildmächtige Denkmal wettinischer Herrschaft zu einem schlichten Behördensitz degradiert wurde. Heute gehört jedoch das wunderbar restaurierte großartige Schloss Augustusburg zu den meistbesuchten Attraktionen des Erzgebirges.

Am frühen Abend schließlich erreichten wir die letzte Burg dieses Tages, nämlich unser Schlosshotel, die Schweinsburg, in der Nähe von Chemnitz gelegen. Schon seit dem 15. Jahrhundert – als das Schloss noch den Herren von Crimmitschau gehörte – bürgerte sich der Name Schweinsburg ein und gliedert sich seither in ein Ober- und ein Unterschloss, die sich durch eine Geländestufe voneinander abgrenzen. Das imposante Oberschloss gruppiert sich um einen eckigen Bergfried, der 1743 seine eigenwillige Kuppelhaube erhielt. Hier folgen zwei rechtwinklig angeordnete Schlossflügel, von denen der vordere noch mittelalterliche Bausubstanz enthält. Der hintere Schlossflügel wurde 1743 für Heinrich August von Berbisdorf errichtet, jedoch unter dem Fabrikanten Carl Wolf, der das sächsische Rittergut 1905 erwerben konnte, in den Jahren 1908–1911 umgebaut, und auch die Inneneinrichtung wurde repräsentativ gründerzeitlich neu ausgestattet. Es gelang Carl Wolff mit traditionellen Architekturformen, die er teils dem barocken Bauerbe des 18. Jahrhunderts, teils aber auch dem um 1900 immer beliebter werdenden englischen Landhausstil entlehnte, den herrschaftlichen Charakter der Schweinsburg zu erhalten bzw. neu zu prägen.

Zum Abendessen gingen wir schließlich durch das Vestibül im Erdgeschoss – wo uns zur Begrüßung ein Glas Crémant erwartete – über ein repräsentatives holzgetäfeltes Treppenhaus in die ehemaligen Wohnräume der Familie Carl Wolff und hier in den großartig ausgestatteten neugotischen Rittersaal, der mit seiner Holzvertäfelung und dekorativen Ausmalung als romantischer Mittelalterraum inszeniert wurde. In diesem in der Tat großartigen Raum genossen wir unser gutes Abendessen, freuten uns dann aber auch auf unsere Schlafzimmer und zum erholsamen Schlaf einladende Betten.

Am zweiten Tag unserer Exkursion fuhren wir dann direkt in die Stadt Chemnitz, um in einem Villen- und Landhausviertel die wohl weltweit bekannte Jugendstil Villa Esche zu besuchen. Die in einem parkartigen Garten auf einer Anhöhe liegende Villa wurde im Auftrag der Chemnitzer Textilfabrikantenfamilie Herbert und Johanna Esche in den Jahren 1902 bis1903 im Süden der Stadt durch den Gestalter Henry van de Velde als repräsentatives Jugendstil-Gesamtkunstwerk errichtet. In der Villa Esche gelang es Henry van de Velde, alle Bereiche des Wohnumfeldes der Familie Esche großartig zu gestalten, über die Fassade und Gestaltung aller Räume bis hin zur Wandgestaltung und Bespannung, Fenster, Lampen, Mobiliar, Porzellan und Silber. Selbst der großzügig angelegte Garten verrät bis heute die einfühlsame und ungemein prägende Handschrift des weltweit bekannten Jugendstil-Architekten und Jugendstil-Designers.

Haus und Garten der Villa Esche, samt Inventar, stehen natürlich als Gesamtkunstwerk unter Denkmalschutz, und die erst nach der Wende möglich werdende gründliche Instandsetzung und sensible Restaurierung hat alle Burgenfreunde an diesem Vormittag begeistert. So wurde die eben auch auf Friederike Ebner von Eschenbach zurückgehende Empfehlung, nicht nur die Schlösser und Burgen des Erzgebirges, sondern in jedem Fall auch die berühmte Villa Esche in Chemnitz zu besuchen, mehr als dankbar gewürdigt. 

Die Weiterfahrt am linken Ufer der Zwickauer Mulde brachte uns schließlich noch die Begegnung mit der Burg Waldenburg, um 1170 durch die Herren von Wartha gegründet, die von hier aus die Kolonisierung des Pleißenlandes vollzogen und sich nachfolgend Herren von Waldenburg nannten. An diese frühe, mittelalterliche Zeit erinnert noch immer der wuchtige Schlossturm, in dessen Schatten wir unseren Mittagsimbiss im Schlosscafé „Sweet Sophie“ einnahmen. 

In der sich anschließenden beeindruckenden Schlossführung, wieder unter der Leitung von Mattias Donath, gelang es ihm, die ungemein wechselvolle Schloss- und Besitzergeschichte zu erläutern, uns aber auch die hochrepräsentativen Schlossräume der seit 1790 fürstlichen Familie Schönburg-Waldenburg zu zeigen. In den Wirren der 1848er Revolution wurde das fürstliche Residenzschloss in Brand gesetzt, und Fürst Otto Victor I. wollte anschließend das zerstörte Schloss wiederaufbauen, entschloss sich aber dann doch, einen Neubau zu errichten. 1855 bis 1859 ließ der Fürst schließlich ein neues Schloss, nach Plänen des Leipziger Architekten Eduard Pötsch, im Stil der damals aktuellen Tudorgotik – samt einer evangelischen Schlosskapelle – errichten. Schon die nächste fürstliche Generation fand jedoch den in der englisch geprägten Neugotik errichteten Schlossbau wenig repräsentativ, so dass sich Fürst Otto II. von Schönburg-Waldenburg in den Jahren 1909–1912 entschloss, das gesamte Schloss einem neuerlich aufwendigen Um- und Neubau zu unterziehen. Er engagierte hierfür den Dresdener Hofarchitekten Gustav Frölich, der aus der fürstlichen Residenz eine vielgestaltige Anlage mit Erkern, Türmchen und reich gegliederten Dächern machte. Innen entstanden komfortabel ausgestattete Raumfolgen, in ganz unterschiedlichen Stilen, die den ungemein repräsentativen Lebens- und Gesellschaftsanspruch einer fürstlichen Familie – kurz vor dem Zusammenbruch der Monarchie im Jahr 1918 – dokumentieren. Über die großzügige Treppenhalle – eine Art Empfangssaal, aus amerikanischen Edelholz getäfelt – konnten wir die vormaligen Festsäle und fürstlichen Wohnräume bewundern. Begeistert waren wir vor allem vom Festsaal, dem Blauen Saal, oder dem im Rokoko ausgestatteten Gelben Saal, der damals auch als Ballsaal genutzt wurde. Ohne Zweifel war jedoch das Versailles nachgebildete Spiegelzimmer der eigentliche Höhepunkt der ungemein prächtigen fürstlichen Gesellschaftszimmer. 

Da Fürst Otto Viktor II. schon im Ersten Weltkrieg fiel, trat die Nachfolge sein jüngerer Bruder Günther an, erbte den fürstlichen Titel und die umfangreichen Waldenburger Besitzungen, die ihn zu einem der reichsten Grundherren in Sachsen machten. 1945 kam es zu einer Enteignung auch dieses großen Besitzes und zur Vertreibung der fürstlichen Familie Schönburg-Waldenburg. Die sowjetische Besatzungsmacht plünderte das gesamte Schloss und transportierte das reiche Inventar in die Sowjetunion, erhalten haben sich aber glücklicherweise die meisten kostbaren Wandverkleidungen, die als feste Einbauten im Schloss verblieben. 

Mit der Besichtigung von Schloss Waldenburg konnten wir ein weiteres, im frühen 20. Jahrhundert erbautes sowie grunderneuertes sächsisches Schloss bewundern und waren dankbar, in zwei Tagen wunderbare Schlösser, Burgen, aber auch die Villa Esche erleben zu dürfen. Manche freuten sich dann auch schon auf den Höhepunkt im Herbst dieses Jahres, die Ankündigung der großen dreitägigen Burgenfahrt im September unter Vorbereitung und Leitung von Dr. Guido Hinterkeuser. 

Dr. Klaus-Henning von Krosigk                                            Berlin, im April 2026