Rückblick Burgenfahrt Coburger Land, 1.-3. August 2025

Reisebericht von der Burgenfahrt der Landesgruppe Berlin-Brandenburg der Deutschen Burgenvereinigung nach Thüringen und in das Coburger Land, Wochenende vom 1. bis 3. August 2025 

Bei strahlendem Sommerwetter startete die lange geplante Burgenfahrt nach Thüringen und in das bis 1920 ebenfalls zu Thüringen gehörende Coburger Land. Nirgendwo sonst in Deutschland – eben nur in Thüringen – haben Kleinstaaten mit ihrer häufigen Teilung von Land und Besitz einen solchen Reichtum an architektonisch und kunsthistorisch beachtenswerten Residenzen hervorgebracht. Und auch wenn die kleinen, insgesamt acht Fürstentümer politisch ohne großen Einfluss waren, bildeten sie doch Schwerpunkte eines außergewöhnlichen kulturellen Lebens, das sich vor allem in ihren bedeutenden Burgen- und Schlössern widerspiegelt. Die Hauptdynastien Thüringens waren die ernestinische Linie des Hauses Wettin, die Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg sowie das Haus Reuß. Prachtvolle und mächtige Schlossanlagen prägen mithin diese Thüringische Residenzlandschaft und zeugen vom Status der hier residierenden Reichsfürsten. 

Als erste Burganlage der großartigen Residenzlandschaft Thüringen konnten wir Schloss Schwarzburg besichtigen, im Mittelalter Stammsitz der Grafen von Schwarzburg, später dann Sommerresidenz und gerne genutztes Jagdschloss. Die barocke Schlossanlage liegt in landschaftsbeherrschender Lage, auf schmalem Bergrücken im Schwarzatal. Das imposante Residenzschloss im Zentrum der Anlage – durch starke bauliche Eingriffe während eines brutalen Umbaus in den Jahren 1940–42 unter den Nazionalsozialisten zu einem Reichsgästehaus im Innern ziemlich zerstört – wird glücklicherweise von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten seit über zehn Jahren Schritt für Schritt instandgesetzt. Wir konnten das separat gelegene und schon restaurierte Zeughaus mit seiner großartigen – vollständig erhaltenen – Waffensammlung bewundern sowie das ebenfalls erhaltene imposante Kaisersaal-Gebäude mit seinen wertvollen Leinwandgemälden und Wandmalereien. 

Nach dieser besonders schönen Auftaktveranstaltung ging die Fahrt dann weiter zur Heidecksburg nach Rudolstadt, dem eigentlichen Residenzschloss der Reichsfürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Unter Leitung von Frau Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die mit ihrem Rat und großen Wissen entscheidend bei der inhaltlich-fachlichen Vorbereitung dieser Burgenfahrt geholfen hatte, konnten wir dann im Westflügel des Schlosses vor allem die in Thüringen wohl bedeutendsten barocken Festräume bewundern, aber auch das barocke Reithaus und weitere gerade in restauro befindliche Schlossräume sowie das im Schlossgarten gelegene einzigartige Schallhaus, den letzten noch aus dem 18. Jahrhundert erhaltenen und funktionstüchtigen Bau seiner Art in Thüringen. Alle waren sehr glücklich über die exzellente Führung von Frau Dr. Fischer, die uns gerade die besonders wichtige Heidecksburg auch in ihren Details erläutern konnte. 

Nach dem mit großen Genuss eingenommenen Abendbrot im Panorama Hotel & Restaurant am Marienturm, mit herrlichem Blick über das tief unter uns liegende Rudolstadt, freuten sich alle dann doch auf eine erholsame Nacht, um am anderen Morgen erfrischt nach Coburg zu fahren, wo uns drei der schönsten Schlösser des Coburger Landes: Schloss Ehrenburg, Schloss Callenberg und Schloss Rosenau erwarteten. 

Den Beginn machte das Schloss Ehrenburg in Coburg, im Kern noch eine Dreiflügelanlage aus der Zeit der Renaissance, 1547 vollendet, jedoch nach einem Brand um 1690 zu einer barocken Residenzanlage aus- und umgebaut. Aus dieser Zeit stammen noch die Hofkirche und der Riesensaal mit seinen 28 imposanten Atlantenfiguren, und unter Herzog Ernst I. entstand schließlich um 1810 die eindrucksvolle neugotische Fassade von Karl Friedrich Schinkel. Im Inneren des außerordentlich gepflegten Schlosses, mit den Wohnräumen und der allenthalben ablesbaren umfangreichen Geschichte des Coburger Herzogshauses, konnten wir beim Rundgang die im französischen Stil gehaltenen prunkvollen Möbel, aus Paris stammend, sowie wertvolle Ölgemälde, nicht zuletzt von Prinz Albert und Queen Viktoria, die ja oft in Coburg zu Besuch war, bewundern. 

Nach einer kleinen Mittagspause, mit Verzehr einer besonders gut schmeckenden Coburger Bratwurst an einem Wurststand auf dem herrlichen Marktplatz, ging es dann weiter nach Schloss Callenberg, ein Schloss in wunderbarer landschaftlicher Lage, das sich seit 1826 im Besitz der herzoglichen Familie als vielfach genutzte Sommerresidenz befindet und seit 1998 den Herzoglichen Kunstbesitz Sachsen-Coburg und Gotha hütet. Das obere Schloss wurde baulich 1831, durch Umbau und Aufstockung der sogenannten Beletage, noch unter Herzog Ernst I. erbaut, während sein Sohn Herzog Ernst II. die untere Schlossanlage 1857 im Stil der Neugotik errichten ließ. Schloss Callenberg dient nach wie vor der herzoglichen Familie als Residenz bei Familienfeiern und größeren Veranstaltungen. Es ist mit kostbarem Mobiliar – darunter besonders wertvolle Möbel vom Kunsttischler David Roentgen – sowie mit wertvollen Ölbildern und schönen Porzellanen ausgestattet ist und vermittelt so bis heute ein eindrucksvolles Bild ungebrochener adeliger Lebenskultur. Im Rahmen der sehr guten Führung wurden uns auch die Schlosskapelle, eine dreischiffige Halle mit spitzbogigen Maßwerkfenstern und der im Herzen des Gebäudeensembles befindliche Innenhof sowie der höher gelegene Rosengarten präsentiert. Das Schloss ist umgeben von einem Landschaftspark, der in den Callenberger Forst, das ehemalige Jagdrevier der Herzöge, übergeht. 

Den Schlusspunkt im Coburger Besichtigungsprogramm bildete schließlich noch der Besuch von Schloss Rosenau, der „zweiten Heimat“ von Queen Victoria. Nur wenige Kilometer von der Stadt Coburg entfernt, liegt das Schloss in einem malerischen Landschaftspark. Auch hier war es Karl Friedrich Schinkel, der von 1810 bis 1817 den damals völlig verfallenen mittelalterlichen Bau im Auftrag von Herzog Ernst I. im neugotischen Stil umgestaltete und mit Spitzbogenarchitekturen und Maßwerkornamenten versehen ließ. Der Herzog wollte sich einen Sommersitz erschaffen, in dem gemäß den romantischen Vorstellungen seiner Zeit das mittelalterliche Erscheinungsbild wiederbelebt werden sollte. Nach seiner Heirat mit Luise von Sachsen-Gotha und Altenburg wurde 1819 ihr Sohn, Prinz Albert geboren, der 1840 die britische Königin Victoria heiratete. Schon 1845 besuchte Prinz Albert gemeinsam mit Königin Victoria seinen Geburtsort Schloss Rosenau, das die Königin fortan besonders schätzte. Nachdem die Anlage im 20. Jahrhundert unterschiedlichen Zwecken diente, ging sie 1972 von der Coburger Landesstiftung an den Freistaat Bayern über, wurde nach umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten im Jahr 1990 als Museum eröffnet und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen aus aller Welt. 

Der letzte Tag unserer Burgenfahrt war dem herzoglichen Haus Sachsen-Meiningen gewidmet und begann am Sonntag Morgen mit dem Besuch des Residenzschlosses Meiningen, das 1682–1692 auf dem Gelände der Meininger Stadtburg errichtet worden war. Wir hatten Gelegenheit, die über zwei Etagen verteilten Ausstellungsräume mit ihren Kunstsammlungen zu besichtigen. Herausragend sind hier ohne Zweifel zwei Räume, der Meininger Prinzessin Adelheid gewidmet, die als Queen Adelaide an der Seite ihres Gemahls William IV. den englischen Thron bestieg. Durchaus als Keimzelle des “Musenhofes Meiningen“ konnten wir dann auch die Wohnsuite Herzog Georgs II. und seiner Gemahlin besichtigen, Wohnräume, die im Stil der Neorenaissance nach Vorbildern des 16. Jahrhunderts aus den Tiroler Schlössern Tratzberg und Velthurns ausgestattet wurden. 

Danach fuhren wir mit unserem Reisebus von Meiningen aus durch eine unglaublich schöne Thüringer Berg- und Waldlandschaft in Richtung Schloss Altenstein und genossen dabei eine heute selten gewordene Naturlandschaft, die weder durch Hochhäuser noch Windkraftanlagen gestört wird. Nach einem stärkenden Mittagessen im Café Altenstein konnten wir unter sachkundiger Führung des Parkinspektors Toni Kepper, leider bei inzwischen einsetzendem Sommerregen, Schloss und Park Altenstein gründlich besichtigen. Das heutige Schloss ist ein Neubau, der zwischen 1888 und 1890 durch Herzog Georg II. anstelle eines von seinem Urgroßvater errichteten Barockschlosses als Sommersitz im Stil englischer Renaissance-Landsitze errichtet wurde. Noch heute zieren Knickgiebel – nach dem Vorbilder des englischen Knole House – sowie halbrund aus der Fassade hervortretende Bow Windows dieses Schloss, das leider 1982 Opfer eines Brandes wurde und nun seit vielen Jahren durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mühsam wiederhergestellt und restauriert wird. 

Zum kostbaren Bestand des Altensteins gehört ein wertvoller 160 Hektar großer Landschaftspark, Mitte des 19. Jahrhunderts durch Hermann Fürst von Pückler angelegt, der bei vielen bedeutenden Thüringischen Residenzschlösser, so in Weimar auf dem Ettersberg oder in Schloss Willhelmsthal, beratend tätig war. Ein besonderer Höhepunkt war die Besichtigung der Greifenbank im Schlosspark Altenstein, eine auch Römische Bank genannte halbrunde Marmorbank, die nicht zuletzt mit fachlicher Unterstützung des Autors in den letzten Jahren sorgfältig restauriert werden konnte. Sie war 1802 im Andenken an die verstorbene Herzoginmutter unter einem 18 Meter hohen höchst markanten Blumenkorbfelsen errichtet worden. Beeindruckend auch die in den äußerst gepflegten Rasenanlagen des Altensteiner Pleasuregrounds gelegenen Teppich- und Knotenbeete, in unmittelbarem Umfeld des Schlosses. Auch hier wurde dem Parkinspektor sehr für die exzellente und umsichtige Pflege dieser heute im Bundesgebiet sehr seltenen Teppichbeete gedankt, ihm allerdings auch als Bitte vom Verfasser auf den Weg gegeben, die ursprünglich von der Greifenbank aus möglichen herrlichen Blicke in das Werratal – man war nämlich, frei nach Peter Joseph Lenné, von dieser Exedra aus „Herr der Aussichten“ – unbedingt wiederherzustellen, was Toni Kepper auch zusicherte. 

Nach dem wunderbaren Erlebnis von Schloss und Park Altenstein hieß es Abschied nehmen und sich dann auf die lange Rückfahrt nach Berlin vorzubereiten, wo wir glücklich und voller schönster Eindrücke am späten Abend wieder ankamen. 

Dr. Ing. Klaus-Henning von Krosigk                                                Berlin, im August 2025